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BAUKULTUR 2_2017: Editorial

Gunther Adler
(in: BAUKULTUR 2_2017, S. 3)

Liebe Leserinnen und Leser,
verehrte Freunde der Baukultur,

Baukultur steht für Qualität von Stadt-, Land- und Infrastrukturentwicklung, für gute Architektur und guten Städtebau und damit für Nachhaltigkeit. Baukultur ist ein Prozess, bei dem die Menschen in die Gestaltung ihrer Umwelt einbezogen und sensibilisiert werden. Das Bundesbauministerium engagiert sich vielfältig für Baukultur, als Vorbild bei seinen eigenen Baumaßnahmen genauso wie als Förderer für gute Beispiele und Preise, mit praxisnahen Forschungsprojekten und vor allem als Netzwerker.

Doch Baukultur ist ein Querschnittsthema. Baukultur gewinnt politischen Einfluss und Gestaltungsmöglichkeiten in der Regel durch die Auseinandersetzung mit anderen Themen wie Mobilität, Demografie oder Migration und besonders auch mit dem Klimaschutz. Die Herausforderung für die kommenden Jahre ist es, Baukulturbelange eben in diese anderen Themenfelder hineinzutragen und geltend zu machen. Mit dem Ressortzuschnitt des Bundesbau- und -umweltministeriums seit dieser Legislaturperiode stehen die Chancen gut, dass das mit mehr Nachdruck als in der Vergangenheit geschehen kann. Außerdem existieren mit der Bundesstiftung Baukultur und dem Baukulturbericht wichtige Instrumente für den direkten Dialog mit Politik, Wirtschaft und der breiten Öffentlichkeit zu Fragen der Baukultur und zur ökologischen Nachhaltigkeit.

Mit den aktuellen Zielen für den Klimaschutzplan 2050 verfolgt die Bundesregierung ehrgeizige Vorhaben. Für den Gebäudebereich bedeutet das, dass bis zum Jahr 2050 ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand erreicht werden soll. Das Bundesbauministerium hat Modellvorhaben auf den Weg gebracht, wie z. B. Effizienzhäuser Plus im Altbau, mit denen Wege zum Erreichen dieses Ziels praxisnah untersucht werden. Bereits im Jahr 2030 sollen die politischen Rahmenbedingungen derart ausgestaltet sein, dass die Anforderungen an einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand bereits gelten. Der energetische Standard für den Neubau von Wohn- und Nichtwohngebäuden muss dafür bis zum Jahr 2030 weiterentwickelt werden. Gleichfalls müssen ab 2030 die energetischen Sanierungen von Gebäuden dem Anspruch eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestands weitgehend genügen.
Damit die notwendigen energetischen Sanierungen und Neubaumaßnahmen nachhaltig sind, müssen ganzheitliche Planungsansätze im Blickpunkt stehen, die eine zukunftsweisende architektonische Gestalt- und Nutzungsqualität mit energieeffizienten Maßnahmen vereinen. Besondere Sorgfalt muss bei energetischen Sanierungsmaßnahmen zum Schutz unserer erhaltenswerten Bausubstanz angewandt werden, auch derjenigen, die keinem denkmalschutzrechtlichen Schutz unterliegt. Die Vielfalt der Fassaden muss geschützt werden.

Für alle Gebäude, ob Neu- oder Altbauten, gilt: Die baukulturelle Verträglichkeit ist im Einzelfall zu prüfen, nach verschiedenen ökologischen, ökonomischen, technischen und gestalterischen Lösungen ist zu suchen. Vereinheitlichung, Gestaltlosigkeit und Beliebigkeit sind zu vermeiden. Sie führen zum Verlust identitätsstiftender Baukultur.

Planungswettbewerbe mit ihrer ganzheitlichen Herangehensweise bieten sich an, um über vielfältige Lösungsansätze exzellente Planungs- und Ergebnisqualität zu erzielen.

Architekten und Ingenieure tragen eine besondere Verantwortung für klimaschützende Maßnahmen im Gebäudebestand. Das Ergebnis ihrer Planung wird ein wichtiger Beitrag zum Gelingen des Klimaschutzplans 2050 sein. Sie können auf der Grundlage eines funktionierenden Leistungswettbewerbs die Anforderungen eines klimaneutralen Gebäudebestandes in Verbindung mit hoher Gestaltungsqualität und guter städtebaulicher Einbindung am besten umsetzen.

Ihr
Gunther Adler
Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit


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