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Was steckt dahinter? Was steckt drin?

(in: BAUKULTUR 3_2017, S. 20-21)

Kompakt, oberflächenreduziert und nachhaltig präsentiert sich das im Oktober 2016 fertig gestellte Laborgebäude der Stadtentwässerungsbetriebe in Köln-Stammheim. kister scheithauer gross (ksg) gingen 2013 aus einem begrenzt offenen Realisierungswettbewerb als Sieger hervor und planten einen ästhetischen Bau in außergewöhnlicher Form.

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Das komplett eingehauste Gebäude ähnelt einem metallischen Gefäß und harmoniert so mit seiner Umgebung (Foto: Yohan Zerdoun)

Nachhaltigkeitsorientierte Planung
Das alte, stark sanierungsbedürfte Laborgebäude bildete ein L-förmiges Ensemble aus zwei Baukörpern. Um den laufenden Betrieb zu gewährleisten, sollte der Neubau auf dem 2.000 m² großen Parkplatzgelände nordöstlich des Bestands realisiert werden. Gefordert waren intelligent angeordnete Laborbereiche für optimierte Arbeitsabläufe und kurze Wege. Funktionalität, Transparenz und Kommunikationsfreundlichkeit sollten in einer nachhaltigkeitsorientierten Planung umgesetzt werden. Besonders wichtig waren die Planung eines kompakten Baukörpers und die Verwendung von recycelbaren Materialien.

Eigenständiger geometrischer Solitär
Das Werksgelände ist umgeben von viel Natur und geprägt von großen runden Silos und lose angeordneten Gebäuden. Diese Silotanks führten zum Verlust des Maßstabs. Der urbane Kontext fehlte. Der Entwurf von ksg reagierte mit einer ebenfalls maßstabslosen Antwort – einem freien und zugleich geometrischen Baukörper, der das dreieckige Grundstück optimal ausnutzt. Sein Zuschnitt und die technischen Bauten der Nachbarschaft haben zu einem Gebäudekonzept beigetragen, das auf einen Solitär von eigenständiger geometrischer Form setzt. Der eingeschossige Baukörper mit dem runden Aufbau greift die Körperhaftigkeit der technischen Bauwerke auf und wird sowohl in seiner Funktion als auch in seiner bildhaften Wirkung einem markanten Technikgebäude gerecht. Der komplett eingehauste Bau mit der gebogenen Fassade ähnelt einem Gefäß aus Metall und harmoniert so mit seiner Umgebung. Die Fassade nimmt dem Gebäude die Maßstäblichkeit. Allerdings ohne distanziert und charakterlos und ohne typische Industriearchitektur zu sein.

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Aufgrund seiner ästhetischen Form, seiner außergewöhnlichen Fassade und seiner optimalen Arbeitsabläufe zählt der Laborneubau zu den Pilotprojekten im modernen Laborbau (Foto: Yohan Zerdoun)

Identität durch Material und Gestaltung
Seine Identität erhält der Neubau durch seine Materialität und ornamentale Gestaltung. Die Fassade erzeugt viele Assoziationen. So fühlt sich Architekt Johannes Kister an die typische Siebcharakteristik erinnert, die er mit Analyse und Recherche, also mit den Abläufen in einem Labor verbindet. Das Spiel mit der Neugier eines Chemikers wurde auf die Gestaltung übertragen. Der Betrachter sieht von außen immer nur Teile des Ganzen. Bei jedem Schritt um das Gebäude verändert sich der Blick auf den Kern, das Innere. Die vorgesetzte Metallfassade dient nicht nur der Gestaltung, sondern auch dem Sonnenschutz und schafft es zudem, die unterschiedlich großen und unterschiedlich angeordneten Fensteröffnungen im Sozial-, Büro- und Laborbereich harmonisch zu vereinheitlichen. Es gibt keine „schlechte Rückseite“,  und auch für die Mitarbeiter im Inneren ergeben sich spannende Ausblicke in die Umgebung. Deshalb wurde bewusst vermieden, bei der Konstruktion mit großen Schrauben oder anderen unschönen Befestigungsvarianten zu arbeiten.

Innovative Laborplanung
Der Zugang zum Gebäude erfolgt ebenerdig ebenso wie die Anlieferung der Proben. Der Weg einer solchen wurde in Zusammenarbeit mit den Laborplanern und dem Nutzer genau analysiert, um die Arbeitsabläufe zu optimieren. So wandert diese von der separat angeordneten Probenannahme über einen zentralen, kreuzungsfreien Mittelgang in die nasschemische, organische oder auch biologisch-ökologische Analyse. Die hohe Transparenz der offenen Laborstruktur mit den langen, in Reihe geschalteten Labortischen ermöglicht den engen Austausch zwischen den unterschiedlichen Abteilungen. Anders als bei herkömmlichen Zellen-labors sorgt dieser Labortypus für kurze Wege.
Die klare Gebäudeform schafft ein Raumkontinuum, das in unterschiedliche Funktionsbereiche zoniert werden kann. Dieses Konzept erfüllt die Zielsetzung einer flexibel gestaltbaren Laborlandschaft bei gleichzeitiger Verzahnung der Bereiche und lässt Spielraum für künftige Veränderungen. Genau diesem Sinn folgt die offene Installation der Gebäude- und Labortechnik. So wurde bewusst auf abgehängte Decken verzichtet, um eine einfache Nachinstallation zu ermöglichen. Eine weitere Neuerung ist die dem Analysebereich vorgelagerte Auswertungszone. Hier können die Mitarbeiter in Ruhe, aber immer mit Sichtbezug, ihre Ergebnisse dokumentieren. In derselben Transparenz wurde der Aufenthaltsraum mit Teeküche realisiert. Alle Bereiche haben nicht nur den Blick zueinander, sondern auch nach außen.


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