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Neuformulierung der Dachzone

Erweiterung eines Wohngebäudes in Graz
(in: BAUKULTUR 4_2017, S. 19)

In der Grazer Vorstadt Jakomini wurde eine gründerzeitliche Wohnbebauung um einen dreigeschossigen Dachaufbau erweitert. Die Qualität des Neuen vernichtet nicht die Qualität des Alten. Das Alte und das Neue verbinden sich zu einer ganzheitlichen Architektur, die Vielfalt und Erlebnis beinhalten soll.

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Das Projekt Jakomini 3600 erhielt im Rahmen des „American Architecture Prize 2016“ die Auszeichnung „Honorable Mention“

Architektonisches Konzept
Die erste wirkliche Stadterweiterung des mittelalterlichen Graz und damit die Bildung von Vorstädten außerhalb der Ringstraßen fand im 18. Jahrhundert statt. Die Vorstadt „Jakomini“ zählt dazu. Die Conrad-v.-Hötzendorf-Straße ist neben der Elisabethstraße eine der imposanten Stadtachsen, die in der Gründerzeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt wurden. Breiter und länger als die Elisabethstraße führt die Conrad-v.-Hötzendorf-Straße unmittelbar ins Stadtzentrum, immer den Blick auf den Schlossberg vor sich. Den Abschluss der Conrad-v.-Hötzendorf-Straße bildet die Bebauung an der Ecke Grazbachgasse/Jakoministraße. Die Jakoministraße schwenkt nach rechts, verengt diese Achse, führt zum Jakomini-Platz und dem Platz am Eisernen Tor. Damit kommt dem Eckgebäude eine herausragende Bedeutung zu, auch wenn das heute optisch nicht nachvollzogen werden kann.

Städtebauliche Torsituation
Durch das Zurückweichen und die Neuformulierung der Dachzone versuchte das mit der Planung beauftragte Büro Giencke & Company Architects ZT GmbH, Graz, die Torsituation stärker zu betonen, ohne die Dachlandschaft aufzureißen. Die Fassaden der Dachaufbauten weichen zurück, die Dachfirste neigen sich in den Straßenraum. Diese gestalterische Intervention erscheint weniger spektakulär als selbstverständlich, wenn die Aufwertung bzw. Schaffung der Torsituation Ziel städteplanerischer Absichten ist.

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Die Fassaden der Dachaufbauten weichen zurück, die Dachfirste neigen sich in den Straßenraum

Struktur und Konstruktion
Der Dachaufbau erfolgte dreigeschossig im Bereich der Grazbachgasse. Die Konstruktion der Dachgeschosse besteht aus einer Stahlrahmenkonstruktion aus gewalzten und geschweißten I-Profilen, die untereinander wiederum mit geschoss- und dachtragenden I-Profilen verbunden sind.
Die senkrecht stehenden und geneigten Dachfassaden bestehen aus 3-Scheiben-Isolierglas. Sie gehen mit einer geknickten und schräg verlaufenden Trauflinie über in ein ziegelgedecktes Satteldach mit geradem und geneigtem First. Der Sonnenschutz besteht aus stark reflektierendem und wetterfestem perforierten Rollostoff, blickdicht von außen nach innen, blickoffen von innen nach außen. In Verbindung mit der Verglasung ist der g-Wert dieser Konstruktion niedrig. Die Sonnenschutzrollos bringen auch eine Abschattung des Innenraums, die funktionell und optisch durch einen innen liegenden Sichtschutz weiter verbessert werden kann.


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