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Zäsur zwischen Gestern und Heute

Umbau eines Reihenhauses in Frankfurt
(in: BAUKULTUR 6_2017, S. 13)

Bedingt durch die im Frankfurter Westend geltende Erhaltungssatzung durfte die Form eines 1926 errichteten Reihenendhauses nicht wesentlich geändert werden. Im Zuge des Umbaus durch das Frankfurter Büro Marie-Theres Deutsch Architekten BDA konnte die Wohnfläche deutlich erweitert werden, und es entstand die gewünschte Zäsur zur benachbarten Architektur der 1920er Jahre.

Deutsch Einbindung Umgebung
Sanierung eines Reihenendhauses in Frankfurt: Einbindung in die Umgebung

Bistro im Souterrain
In der hochpreisigen Lage mussten sämtliche Ressourcen des kleinen 4-geschossigen Gebäudes genutzt werden. Der hoch liegende Keller wurde nach intensiver Kosten-Nutzen-Analyse zum Bistro ausgebaut. Da der Zugang zu diesem halböffentlichen Ort Großzügigkeit erfordert, wurde die Decke über dem Souterrain stufenweise angehoben. Um in der Erdgeschoss-Wohnung keinen Zentimeter Wohnraum zu verlieren, passt sich die Möblierung den Stufen in Schlafzimmer und Bad an. Straßenseitig nicht sichtbar, wurde zum Garten ein Wintergarten angebaut.

Großzügige Lichtdurchflutung
In dem kleinen Gebäude sind drei Wohnungen entstanden. Das Dachgeschoss hat zwei Terrassen nach Süden und Westen, die im 40 m2 großen Apartment großzügige Lichtdurchflutung schaffen. Die Lochfassade blieb erhalten, die Brüstungen wurden erweitert. Nur die Kelleröffnungen wurden großzügig gebrochen, nachdem durch Abtragen des ehemals aufgeschütteten Vorgartens ein direkter Zugang von der Straße in das Bistro ermöglicht wurde. Schalsteine – als Stelen zweckentfremdet – trennen den Sommergarten vom Straßenraum. Der Ausbau erfolgte mit preiswertem Material aus dem Baumarkt, die Fußböden sind mit Linoleum belegt.

Deutsch DG Küche
Küche im Dachgeschoss: Der Ausbau erfolgte mit preiswerten, kreativ eingesetzten Materialien

Mehr Wohnfläche bei gleicher Kubatur
Es ist gelungen, ohne wesentliche Änderung der Kubatur die Wohnfläche um 39 % zu erhöhen. Unmittelbar neben einem 18-geschossigen Wohnhochhaus gelegen – einem Bürohochhaus aus den 1970er Jahren – sollte sich das Image des kleinen Wohnhauses deutlich verändern. Zur Modernisierung der baulichen Silhouette wurde der Gestaltungsspielraum dezent genutzt. Der Walm des Reihenendhauses ist durch ein „Dachsegel“ vom Satteldach getrennt, sodass die traditionelle Dachform der 5 Reihenhäuser hier endet. Dieser Schnitt schuf die Zäsur zu den 1920er Jahren. Gekoppelt mit den kreativ eingesetzten, preiswerten Materialien und der hohen Nachverdichtung ist ein Wohn- und Geschäftswohnhaus entstanden, das sich neben dem Luxus-Wohnhochhaus im Art-déco-Stil zurückhaltend und souverän behauptet.


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