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Dach als Logo

Umbau und Sanierung der ehemaligen Königlichen Eisenbahndirektion in Köln
(in: BAUKULTUR 6_2017, S. 18-19)

Der ehemalige Verwaltungssitz der „Königlichen Eisenbahndirektion zu Cöln“ wurde in den Jahren 1906–1913 erbaut. Die repräsentative Architektur spiegelt das Selbstbewusstsein und den hohen gesellschaftlichen Stellenwert des Eisenbahnwesens zur damaligen Zeit. Der Umbau erfolgte nach einem Wettbewerbsgewinn im Jahr 2012 durch das Büro kadawittfeldarchitektur, Aachen, in Arbeitsgemeinschaft mit dem Büro Architekten Graf + Graf, Montabaur. Heute ist der Bau Hauptsitz der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA.

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Die ehemalige Königliche Eisenbahndirektion in Köln ist heute Hauptsitz der EASA (Foto: Jens Kirchner)

Zeichenhafter Dachaufbau
Der Entwurf berücksichtigt den denkmalgeschützten Bestand und entwickelt eine moderne Lösung für das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Mansarddach. Durch eine Schattenfuge getrennt, tritt der neue Dachaufbau als horizontal gegliederter, homogener und eigenständiger Körper dynamisch, elegant und transparent in Erscheinung. Metallbänder umhüllen die 4 Dachgeschosse und zeichnen mit ihrer Neigung die historische Kontur nach, die lange Zeit die Rhein-Silhouette der Domstadt prägte. Die Glasfassade hinter den Bändern folgt nicht der ursprünglichen Dachschräge, sondern steht orthogonal zu den Geschossplatten. Im umlaufenden Fassadenzwischenraum entstanden Dachterrassen mit Panoramablick.

Fassade
Die historische Fassade dient nach wie vor als statisch wirksame Außenwand, in die die Lasten aus den neuen Geschossdecken eingeleitet werden. Die Fassaden der unteren 4 Geschosse wurden gereinigt, aufgearbeitet und teilweise restauriert. Fehlstellen in der Fassade, nach dem Krieg nur notdürftig restaurierte Abschnitte und noch vorhandene Schäden wurden soweit möglich erhalten und sollen auch weiterhin zeigen, dass es sich bei dem Gebäude um ein Bauwerk mit Geschichte und entsprechenden „Narben“ handelt.
Im Gegensatz zum zeichenhaften Dachaufbau sind die neuen Fenster in der historischen Fassade gestalterisch bewusst zurückhaltend ausgeführt. Sie entsprechen in ihren Abmessungen den ursprünglichen Formaten, sind allerdings durch die umlaufende Schattenfuge klar als moderne Einbauten innerhalb der alten Öffnungen gestaltet. Die Ausführung als Kastenfenster mit vorgesetzter Prallscheibe, dahinterliegendem Sonnenschutz und Fensterflügeln mit Dreifachverglasung stellt eine zeitgemäße, konstruktive Lösung dar, die den energetischen Ansprüchen und hohen Schallschutz-Anforderungen gerecht wird.
Die neue verputzte Westfassade wird über alle Geschosse von vertikalen Fensterbändern geprägt. Dadurch steht sie im Kontrast zur horizontalen Ausrichtung des neuen Dachaufbaus und unterscheidet sich auch von der Lochfassade des denkmalgeschützten Bestands. Sie ergänzt die alte Substanz unaufdringlich, rhythmisiert die lang gestreckte Gebäudeseite und integriert unauffällig die Lüftungsöffnungen der hinter der Fassade befindlichen Technikbereiche. Das historische Portal blieb erhalten und wurde behutsam saniert.

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Die schmiedeeisernen Geländer des historischen Treppenhauses wurden originalgetreu rekonstruiert (Foto: Jens Kirchner)

Eingangsbereich
Die ursprüngliche Vorplatzsituation am Konrad-Adenauer-Ufer war unverhältnismäßig schmal und das Gebäude sehr nah an der stark frequentierten Verkehrsachse gelegen. Für ein angemessen repräsentatives Entrée sorgt die Ergänzung mit einer behindertengerechten Rampen- und Treppenanlage. Zudem wurden die Fenster seitlich der bestehenden Zugänge zu bodentiefen Türöffnungen erweitert. Dank der verputzten Innenlaibungen als nachträgliche Zäsur ablesbar, vermitteln sie einen großzügigen Zugang und bringen viel Tageslicht in die dahinter liegende Halle.

Innenräume
Die imposante, historische Eingangshalle ist originalgetreu in den Neubau integriert. Im Innenraum wurden alle erhaltenswerten und denkmalgeschützten Bauteile vor Baubeginn aufgenommen und kartiert, abgebaut, eingelagert und nach der denkmalgerechten Restaurierung wieder an Ort und Stelle verbaut. Die schmiedeeisernen Geländer des historischen Treppenhauses und im Bereich der zentralen Halle wurden eingelagert und originalgetreu rekonstruiert. Die halbrunden Stufen am Treppenantritt im Erdgeschoss aus Weinbergmarmor wurden demontiert und wieder eingebaut, die seitlichen Verkleidungen der historischen Treppe sowie Abdeckungen aus einem gleichen Marmor ersetzt. Die Laibungen der umlaufenden Durchgänge in die zentrale Halle und des großen Portals im Eingangsfoyer wurden demontiert und an gleicher Stelle wieder eingebaut. Die Stuckornamentik wurde mit Hilfe von Silikonkautschuk-Abdrücken gesichert, nach historischem Vorbild neu hergestellt und an ursprünglicher Stelle wieder verbaut.

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Jedes Stockwerk erhielt seinen eigenen Farbton für Wände, Teppiche und Möbeldetails (Foto: Jens Kirchner)

Himmel über Köln
Im Inneren des Gebäudes sind offene, flexible Bürolandschaften entstanden, denen das von kadawittfeldconsult entwickelte Design- und Farbkonzept „Himmel über Köln“ zugrunde liegt: Die Farbcodierung der 7 Bürogeschosse folgt dem Leitbild des Himmels über Köln bei einem Sonnenuntergang am Rhein. Jedes Stockwerk erhielt, aus diesem übergeordneten Leitbild extrahiert, seinen eigenen Farbton für Wände, Teppiche und Möbeldetails. Gepixelte Stockwerksanzeiger transportieren auf jedem Geschoss die Gesamtidee des Farbkonzepts. Gleichzeitig wurden – bezugnehmend auf die Aufgaben der EASA – großflächige, in feine technische und gleichzeitig dekorative Liniengrafiken übersetzte Abbildungen von Flugobjekten auf die Wände appliziert. Sie reichen vom kleinen Papierflieger über Ballons und Segelflieger bis hin zum großen Passagierflugzeug A380. Die Wände der Innenhöfe sind mit einer großflächigen Fotocollage bespielt. Sie zeigt, wer hinter der Europäischen Agentur für Flugsicherheit steckt: Die 800 EASA Mitarbeiter aus ganz Europa. Aus ihren Portraits setzt sich eine überdimensionale Europakarte zusammen.


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