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Musik braucht Raum

Anneliese Brost Musikforum Ruhr
(in: BAUKULTUR 6_2017, S. 26-27)

Vielen Kirchen fehlen die Gemeinden. Oftmals ist der Abriss die Folge. Die einstige katholische St. Marienkirche in Bochum, ein Gotteshaus aus dem 18. Jahrhundert, wurde nun durch das Stuttgarter Büro Bez + Kock Architekten zum Musikzentrum für die Bochumer Symphoniker umgestaltet.

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Im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2017 erhielt das Anneliese Brost Musikforum Ruhr die Auszeichnung Special Mention (Foto: Matthias Jäger)

Innerstädtisches Kreativquartier
Der Neubau des Musikzentrums Bochum stellt einen wichtigen öffentlichen Baustein bei der Entwicklung des innerstädtischen Kreativquartiers Viktoriastraße in Bochum dar. Die historische Marienkirche bildet als zentrales Foyer den Identität stiftenden, städtebaulichen und funktionalen Mittelpunkt des Ensembles. Die neuen Baukörper zu beiden Seiten der Kirche orientieren sich an der Länge des Kirchenschiffs und verzahnen sich innenräumlich mit diesem. Auf der Südseite der Kirche befindet sich der Konzertsaal der Bochumer Symphoniker mit etwa 900 Sitzplätzen und hochwertiger akustischer Ausstattung, auf der Nordseite ein flexibel bespielbarer Multifunktionssaal für die Musikschule. Beide Baukörper sind über niedrige Zwischenbereiche an das Kirchenschiff angeschlossen. So entstand beiderseits eine städtebauliche Fuge, die die Baukörper einerseits klar ablesbar macht und andererseits der bauliche Anschluss an das Kirchenschiff ohne Komplikationen und ohne Verletzung der Kirchenfenster erfolgen konnte. Im Innenraum entstand so eine spannende Raumabfolge vom hohen Kirchenraum über den niedrigen Zwischenbereich in den hohen Saal. Die Höhenentwicklung entlang der Viktoriastraße staffelt sich in Abhängigkeit der innenräumlichen Anforderungen und verleiht dem Gebäude eine angemessene Maßstäblichkeit im Stadtraum.

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Kirschbaumholz und helle Polster prägen den neuen Konzertsaal (Foto: Matthias Jäger)

Vermittlung zwischen Alt und Neu
Die neuen Baukörper, die das Langhaus der Kirche gerade so flankieren, dass nur noch der schmale Chor aus dem Ensemble heraustritt, werden durch eine helle Ziegelsteinfassade bestimmt. Für die Architekten nahm die Fassade einen hohen Stellenwert innerhalb des Entwurfs ein. Sie sollte Verbindung schaffen und die Kirche baulich in das Ensemble einbinden. Der verwendete Stein wurde exklusiv für das Musikforum entwickelt und produziert. In enger Abstimmung mit den Architekten stellte das Unternehmen Deppe Backstein-Keramik diverse Muster her, die vor Ort gesichtet und abgestimmt wurden, bis das gewünschte Ergebnis erzielt war. Bez+Kock haben sich für einen Wasserstrich-Backstein entschieden, der durch die weiße Schlämmung in der Gesamtansicht nahezu beige bis weiß wirkt und beim ersten Hinsehen einen signifikanten Kontrast zur historischen Kirche setzt. Mit seinem durchscheinenden roten Scherben nimmt der Backstein die Farbigkeit des roten Ziegels der Marienkirche jedoch auf und vermittelt so zwischen Alt und Neu. Allen Beteiligten war klar, dass das Rot der historischen Kirche aufgenommen werden musste. Allerdings wusste man auch, dass ein herkömmlicher roter Stein dem Entwurf nicht gerecht werden würde, sodass der Stein schließlich weiß geschlämmt wurde und so ein spannender Kontrast erzielt werden konnte.


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