Raumspirale

Science Center experimenta in Heilbronn
(in: BAUKULTUR 2_2020, S. 12-13)

Die Erweiterung eines Science Centers mit Ausstellungs-, Erlebnis- und Lernbereichen, 360-Grad-Theater und Gastronomie inszenierte das Berliner Architekturbüro Sauerbruch Hutton als Gebäudespirale. Darin integrierte Themenwelten und Kreativstudios führen Besucher in die Geheimnisse der Naturwissenschaft und Technik ein.

Raumspirale 1

Wie fühlt es sich im Auge eines Sturms an? Wie programmiert man einen Roboter? Und landet ein Brot wirklich immer auf der Butterseite? Antworten auf Fragen wie diese finden Interessierte mitten im Zentrum von Heilbronn auf einer Insel im Neckar.

Museumsrundgang
Zusammen mit dem benachbarten ehemaligen Speichergebäude umrahmt der von der Dieter Schwarz Stiftung initiierte und geförderte Neubau eine kleine Piazza, die den Auftakt des Museumsrundgangs bildet. Ein weiträumiges Foyer mündet in eine U-förmig um den Gebäudekern gelegte Raumspirale, die auf 4 Ebenen in „Themenwelten“ Inhalte aus Naturwissenschaft und Technik vermittelt. Als separate Körper in ein gebäudehohes Atrium eingehängte „Kreativstudios“ geben Gelegenheit, das eben Gelernte in eine konkrete Anwendung umzusetzen. Die Spirale endet schließlich auf einer landschaftlich gestalteten Dachterrasse mit Blick über das Neckartal. Ein Experimentaltheater und eine Sternwarte auf dem Dach sowie Flächen für Sonderausstellungen und ein 360-Grad-Kuppelkino im Untergeschoss ergänzen das Museumsangebot.

Raumspirale 2

Fassade der „Themenwelten“
Die Themenwelt-Fassade ist als Stahl-Pfosten-Riegel-Konstruktion aus scharfkantigen Schweißprofilen mit durchschnittlich 5,90 m Fassadenhöhe ausgeführt. Die Riegel bestehen aus Hohlkastenprofilen, die Pfosten aus T-Profilen und die Diagonalen aus Doppel-T-Profilen. Die Abmessungen der Profile betragen ca. 80 x 200 mm. Eine zwängungsfreie Lagerung der am Tragwerk verankerten Fassade verhindert Lasteinwirkungen aus der Verformung des Tragwerks. Als Verglasung dienen ca. 5,70 bis max. ca. 8,30 m hohe und 1,90 bis 2,70 m breite, dreieckig zugeschnittene Felder aus 3-fach-Wärmeschutzisolierverglasungen mit Sonnenschutzbeschichtung und zusätzlicher Bedruckung. Rund 70 % dieser Fassadenfelder sind opak. So schaffen sie raumseitig Wandflächen für die Ausstellungsgestaltung, während sie außenseitig als 180 mm starkes mineralisch gedämmtes Paneel mit einer Oberfläche aus satiniertem, rückseitig vollflächig bedrucktem Glas ausgeführt sind. Der transparente Rest ist an der Außenseite partiell im Punktraster satiniert und in rauten- oder trapezförmigen Gruppen angeordnet sowie absturzsichernd. In dem zu Revisionszwecken zugänglichen Raum zwischen der äußeren und inneren Fassadenebene kann optional eine steuerbare Blendschutz- bzw. Verdunklungsanlage integriert werden. Die Unterseiten der Auskragungen wurden als mineralisch gedämmte, hinterlüftete Fassaden mit einer planen, verwindungsfrei metallischen Oberfläche konzipiert und innenseitig mit einer Trockenbaukonstruktion bekleidet. Der in eine äußere und innere Fassadenebene gegliederte Aufbau der 95,5 cm tiefen Fassade trägt dazu bei, das mit Brandschutzplatten bekleidete Tragwerk und Montagestöße zu bedecken.

Fassade der „Raum-Spirale“
Bei der Raum-Spiralen-Fassade handelt es sich um eine Pfosten-Riegel-Fassade aus scharfkantigen verschweißten Stahl-T-Profilen mit transparenten, partiell bedruckten Gläsern. Die Fassadenhöhe beträgt auch hier in der Regel 5,90 m, die statisch erforderliche T-förmige Pfostendimension 200 x 80 mm. Die Gläser haben einen rechteckigen Zuschnitt und weisen im Regelfall Maximalmaße von 2,90 x 3,80 bis 5,40 m auf. Die Ganzglasfassade oberhalb des Erdgeschosses ist mit absturzsichernden Gläsern ausgestattet. Eine allseitig gehaltene 3-fach-Wärmeschutzisolierverglasung mit einer zusätzlichen Bedruckung als zweifarbiger, deckungsgleicher Siebdruck im Punktraster optimiert den sommerlichen Wärmeschutz.

Sockelfassade
Die das Erdgeschoss und das Zwischengeschoss über dem Erdgeschoss überspannende Sockelfassade entspricht in ihren konstruktiven und gestalterischen Merkmalen der Themenwelt-Fassade, wurde aber teilweise mit doppelgeschossigen Fassadenelementen und überformatigen Gläsern geplant. Motorisch betriebene, zu öffnende Fenster mit Drehflügeln und deren individuell anpassbare Blendschutzanlagen belichten Arbeitsstätten wie Büroräume, Werkstätten und Küche. Zudem nimmt die Sockelfassade Türen für Notausgänge, Personal und Müll sowie eine Falttoranlage für die Anlieferung auf. Fenster und Türen wurden als Structural-Glazing-Konstruktionen mit glasüberdeckten Profilen in die Pfosten-Riegel-Konstruktion eingesetzt.

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