Staffelwerk

Wohn- und Geschäftshaus in Aschaffenburg
(in: BAUKULTUR 5_2020, S. 26-27)

Als Anfang der 1990er Jahre im Osten von Aschaffenburg durch den Abzug der amerikanischen Streitkräfte riesige Kasernenflächen frei wurden, entstanden entlang der B 8, der Haupteinfallstraße aus Richtung Osten, neue Wohn-, Misch- und Gewerbegebiete. Auf einem 5.000 m² großen Grundstück plante dort das Büro Schlauersbach Architekten das imaCenter, ein Fachzentrum für Geräte aus dem Bereich der Garten-, Forst-, Reinigungs- und Kommunaltechnik.

Schlauersbach 2

Der Bebauungsplan sah ein tiefes Baufenster direkt an der Straße für die Bereiche im Erdgeschoss vor. Die Obergeschosse wurden ca. 20 m zurückversetzt. Im Erdgeschoss ist eine Gewerbefläche für einen Motoristen mit angegliederter Werkstatt und Lager untergebracht. Im 1. Obergeschoss sind im vorderen Bereich zum Laden zugehörige Büroflächen auf einer Galerieebene und ein brandschutztechnisch abgekoppelter Schulungsbereich angesiedelt. Dieser ist mit modernster Medientechnik, einem Foyer und einer Außenpräsentationsfläche ausgestattet und kann von den Mietern gebucht werden. Im 2. und 3. Obergeschoss sowie im rückwärtigen Baukörper befinden sich ebenfalls Büroflächen. Das Staffelgeschoss bietet Platz für 5 hochwertige Mietwohnungen zwischen 95 und 270 m2 Größe und entsprechende Außenbereiche. Zudem gibt es eine Tiefgarage mit knapp 100 Stellplätzen.

Mäandrierender Grundriss
Das Gebäude macht sich insbesondere durch seine Seitenansichten interessant: Die als konstruktiver Sonnenschutz dienenden Dachüberstände beginnen bereits im Untergeschoss und ziehen sich mäandrierend über alle Geschosse. Nachts können sie durch Bodenstrahler zusätzlich hervorgehoben werden. Parallel dazu staffeln sich die Obergeschosse mit ihren zur Straßenachse leicht schräg gestellten Fassaden immer weiter nach hinten. Dies bewirkt – sowohl von außen als auch von innen – immer wieder unterschiedliche Blickwinkel. Dabei ergibt sich im Grundriss ein Mäander. So sind die unterschiedlichen Nutzungen auch von außen gut ablesbar und die lärmsensiblen Bereiche am weitesten von der Lärmquelle Straße entfernt. Die statischen Elemente wurden in den Innenräumen auf ein Minimum reduziert, um für die Mieter möglichst viel Freiraum für den Innenausbau zu schaffen. Die Decken wurden punktgestützt ausgeführt – und zur Aussteifung des Gebäudes lediglich die beiden Treppenhausstürme herangezogen.

Schlauersbach 1

Außenhaut mit Passivhausstandard
Bei dem in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Ingenieurbüro EGS Plan entwickelten und mit dem Ingenieurbüro Schächtele umgesetzten energetischen Konzept des Gebäudes setzten die Planer hinsichtlich Wärmedämmung und Haustechnik auf den Passivhausstandard. Die thermische Hülle wurde entsprechend konsequent ausgeführt, auch wenn von einer Zertifizierung abgesehen wurde. An der Fassade kam eine 32 cm dicke EPS-Dämmung WLG 032 zur Ausführung, auf den extensiv begrünten Dachflächen eine 40 cm dicke Variante. In Teilbereichen kam aus Brandschutzgründen mineralische Dämmung zum Einsatz. Die Fenster erhielten eine Verglasung mit einem k-Wert von 0,6. Bei sämtlichen Durchführungen und Anschlüssen wurde penibel auf Luftdichtigkeit geachtet, die ausführenden Firmen wurden in entsprechenden Audits durch die Frankfurter FAAG für die Themen Luftdichtigkeit und Wärmebrücken sensibilisiert: Eine abschließende Thermographie und ein Blower-Door-Test ergaben eine Luftwechselrate von 0,31 statt der im Nachweis geforderten 0,6.

Haustechnische Ausstattung
Bei der haustechnischen Ausstattung legte der Bauherr Wert auf eine energieeffiziente Ausstattung und größtmögliche Flexibilität. Die Mieteinheiten erhielten einen Doppelboden aus einzelnen Platten mit Bodentanks, die nach Wunsch angeordnet wurden und verschoben werden können. Das komplette Gebäude wird über Heiz- und Kühldecken versorgt und verfügt über eine Lüftungsanlage mit einem Wärmerückgewinnungsfaktor > 92 %. Zur Wärmeerzeugung dient primär ein BHKW mit einer thermischen Leistung von 70 kW und einer elektrischen Leistung von 30 kW. Die Kälte wird über eine Kompressionsmaschine und eine Absorptionsmaschine erzeugt, um das BHKW auch im Sommer effizient nutzen zu können. Auf den Dächern sind thermische Solaranlagen und eine PV-Anlage mit einer Leistung von 70 kW installiert. Eine Maßnahmenkette, die sich lohnt: Seit seiner Inbetriebnahme hat der High-Tech-Bau die im ENEV-Nachweis errechneten Werte schon mehrfach weit unterboten und somit seinen Passivhausstandard bewiesen.

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