Ausstellung: "widerstand und wandel. über die 1970er-jahre in tirol" vom 21.2.-20.6.2020 in Innsbruck

Die 1970er-Jahre sind eine Zeit des Umbruchs und der gesellschaftlichen Veränderungen, in der man an eine „fortschrittliche“ Zukunft glaubte und unterschiedliche Visionen von einer besseren Welt formulierte: Es wurden Bildung, Kultur und Arbeit für alle gefordert, eine antiautoritäre Erziehung und offene Jugendkultur propagiert, soziale Experimente sowie partizipative Prozesse ausprobiert und alternative Lebensformen entwickelt. Gleichzeitig war es aber auch eine Dekade der wirtschaftlichen Krisen, der kalten und heißen Kriege sowie der nazistischen und faschistischen Kontinuitäten.

Peichl

Die Architektur jener Zeit war geprägt von Amtsplanungen oder rein funktionalistischen Bauten, die entweder in traditionellen oder modernistischen Klischees gefangen waren. Nur in seltenen Fällen konnten engagierte Architekten ihre Vorstellungen umsetzen, wie Josef Lackner, Horst Parson oder Norbert Heltschl. Zu den größten Büros zählte das im Kreis der Architekten nicht unumstrittene von Hubert Prachensky und das von Fred Achammer, in denen etliche später bekannte Architekten erste Berufserfahrungen sammelten. Diese Generation von Architekten, die zuvor in Wien an der Technischen Universität bzw. bei Roland Rainer an der Akademie der bildenden Künste oder in Graz studiert hatten, begann zunächst vor allem mit Einfamilienhäusern oder im Rahmen von Wettbewerben, ihre Vorstellungen von zeitgemäßer Architektur und Städtebau in die konservative Landschaft Tirols zu bringen. Besonders wichtig waren dabei die Wettbewerbe „Wohnen Morgen“, die vom Bundesministerium für Bauten und Technik in allen Bundesländern ausgelobt wurden und bei denen sowohl neue städtebauliche Ansätze als auch innovative Wohnkonzepte entwickelt wurden. Auch im Schulbau versuchte man, die pädagogischen Überlegungen der Zeit in entsprechende Raumkonzepte zu übersetzen, wie etwa bei den beiden Modellschulen in Wörgl und Imst, bei denen auch Methoden und Systeme der Vorfertigung erprobt wurden. Nicht zuletzt war es die neugegründete, 1970 eröffnete Fakultät für Bauingenieurwesen und Architektur an der Universität Innsbruck, die einen wesentlichen Impuls für die weitere Entwicklung der Baukultur in Tirol setzte.

Die Ausstellung „widerstand und wandel“ möchte diesen Zeitraum und die architektonische, kulturelle, aber auch soziale Aufbruchstimmung in den 1970er Jahren sichtbar machen. Zum einen werden ausgewählte Projekte aus den Bereichen Wohnen, Schulbau, Kirchen und typologische „Zeitzeugen“ vorgestellt, zum anderen wird das kultur- und gesellschaftspolitische Umfeld anhand einer Synchronopse vermittelt, die lokale und nationale Entwicklungen mit dem „Weltgeschehen“ verbindet und in die Bücher, Plakate, Kunstwerke, Fotografien, Filme und Hörbeispiele eingewoben sind. Ergänzt wird die Ausstellung durch Interviews mit Maria und Gerhard Crepaz, Arnold Klotz, Krista Novak-Hauser, Norbert Pleifer, Peter Quehenberger, Vroni und Jussuf Windischer sowie Dietmar Zingl – Persönlichkeiten, die den kulturellen Aufbruch initiiert und mitgetragen haben.

Weitere Informationen: www.aut.cc

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