AIV zu Berlin-Brandenburg: Internationaler Städtebaulicher Ideenwettbewerb Berlin-Brandenburg 2070 entschieden

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) hat am 16.7.2020 die Gewinner des Internationalen Städtebaulichen Ideenwettbewerbs zur Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg bekannt gegeben. Den 1. Preis erhielt die Arbeit „Zusammenwachsen – Landschaf(f)tStadt“, die von den Berlin-Potsdamer Architekten Bernd Albers und Silvia Malcovati gemeinsam mit Vogt Landschaft und Arup Deutschland abgegeben wurde.

Der mit dem 1. Preis ausgezeichnete Wettbewerbsbeitrag versteht die Länder Berlin und Brandenburg als bauliche und räumliche Einheit und präsentiert ein Gesamtkonzept für die Hauptstadtregion bis an die Landesgrenze Brandenburgs. Grundsätzlich greifen die Verfasser die bereits bestehende Grundform des Siedlungssterns mit ihren historisch entstandenen Schienenradialen auf, verlängern und erweitern die Siedlungsflächen konturscharf entlang dieser Radialen bis in den Städtekranz und könnten dadurch Wohnraum für zusätzlich etwa 1 Million Einwohner schaffen. Zwischen den Siedlungsbändern erstrecken sich Grünkeile der Kulturlandschaften aus Landwirtschafts‐, Wald‐ und städtischen Grünflächen. Exemplarisch entfalten die Verfasser drei Orte: zunächst entlang des 1. Eisenbahnrings Tempelhof‐Südkreuz, sodann entlang des 2. Eisenbahnrings Bernau. Durch eine geringfügige Verlagerung der Eisenbahnstrecke Berlin‐Stettin statt über Angermünde nun über Schwedt erschließen und fördern die Verfasser ihren dritten, weiter entlegenen Ort Schwedt.

AIV Berlin 1. Preis 2

AIV Berlin 1. Preis 3

AIV Berlin 1. Preis 4

Die weiteren Preisträger sind:

2. Preis: „Stadtlandschaft Brandenburg-Berlin 2070 – Kontur einer Übergangsgesellschaft“: Kopperroth / SMAQ / Alex Wall (Berlin und Cambridge, USA), Dipl.-Ing. Stefan Tischer, freischaffender Landschaftsarchitekt, Office MMK – Urban Technologies

3. Preis: „Sternarchipel Berlin – Brandenburg“: Jordi & Keller Architekten / Pellnitz Architektur und Städtebau (Berlin), Christina Kautz Landschaftsarchitektur, Ludwig Krause Stadtplaner

4. Preis: „Landschaft der Unterschiede“: Thomas Stellmach Planning and Architecture / fabulism GbR (Berlin), Lysann Schmidt Landschaftsarchitektur, Melissa Gómez (Beraterin für nachhaltige Mobilität und urbane Innovation), Marcus Andreas (Berater für Nachhaltigkeit), Florian Strenge (Berater für Urbanismus & Design Prozesse)

5. Preis: „Archipel – Labor: Ein Atlas von urbanen Inseln für Berlin“: Pedro Pitarch (Madrid)

Insgesamt wurden 55 Arbeiten abgegeben, 18 kamen in die Endrunde, über die die 15-köpfige Jury in einem anonymen Verfahren beraten und abgestimmt hat. Von den 18 Arbeiten kamen 11 aus Deutschland, zwei aus Spanien, je eine aus Österreich, der Tschechischen Republik und Russland, zwei sind internationale Kooperationen. Von den insgesamt 55 abgegebenen Beiträgen kamen 27 aus Deutschland, 24 aus dem Ausland (Australien, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Iran, Italien, Lettland, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Russland, Schweiz, Türkei, Zimbabwe), 4 sind internationale Kooperationen.

Dipl.-Ing. Tobias Nöfer, AIV-Vorsitzender und Jurymitglied: „Anlass des Wettbewerbs, der sich an Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten gerichtet hat, ist das 100-jährige Jubiläum Groß-Berlins. Wir möchten damit eine breite gesellschaftliche Debatte über die Zukunft der Metropolregion Berlin-Brandenburg in 50 Jahren anstoßen. Die Wettbewerbsbeiträge zeigen Ideen auf, wie der existierende Raum in eine lebenswerte Zukunft geführt werden kann. Bei der Preisvergabe war uns wichtig, auf der aktuellen Situation aufbauend, realistische Absichten für die zukünftige Metropolregion zu kreieren.“

Gefordert waren von den 18 Beiträgen nicht die Darstellungen von Einzelgebäuden, sondern strukturelle Aussagen zu Stadt- und Freiraum, Städtebau, Nutzung, Verkehr und Bebauung. Abgegeben wurden gemäß Auslobung eine Vertiefung des Gesamtplanes (M1:100.000), Vorschläge zu drei konkreten Teilräumen, wobei mindestens einer in Brandenburg bzw. in Berlin liegen musste, sowie strategische Überlegungen, wie der Diskussions- und Planungsprozess länderübergreifend weitergeführt werden kann.

Prof. Jo Coenen, Architekt und Stadtplaner, TU Delft, Maastricht und Vorsitzender des Preisgerichts: „Alle Jurymitglieder waren von der starken Leistung der 55 Beiträge insgesamt bzw. der 18 Arbeiten in der Endrunde beeindruckt, die von Energie und Herzblut zeugen. Die Arbeit "Zusammenwachsen – Landschaf(f)tStadt" überzeugt durch ihr zukunftsweisendes, auf dem Ist-Zustand aufbauendes Gesamtkonzept für Berlin-Brandenburg in 50 Jahren. Der Plan fußt auf der bestehenden Stadt. Er setzt die einzigartige Form der Metropole, den Siedlungsstern, fort und macht Vorschläge für dessen Weiterentwicklung in die Zukunft. Damit fokussiert er sich auf das Wesentliche, sodass sich in dieser Beschränkung der Meister zeigt.“ „Die 5 Preisträger eint, dass sie sowohl visionär als auch realistisch arbeiten. Alle haben die hohe Qualität des Siedlungssterns erkannt und setzen ihn auf unterschiedliche Weise innovativ fort“, führt Nöfer ergänzend aus.

Die Preisgelder betragen insgesamt 200.000 Euro und werden wie folgt auf den 1. bis 5. Preis aufgeteilt: 70.000, 56.000, 40.000, 24.000 sowie 10.000 Euro. Alle 18 Arbeiten der Endrunde werden vom 1.10.2020 bis 3.1.2021 in der Ausstellung „Unvollendete Metropole“ im Kronprinzenpalais, Unter den Linden, gezeigt.

Weitere Informationen: www.aiv-berlin.de

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