Editorial Ausgabe 3-2012

Michael Müller, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Berlin
(in: BAUKULTUR 3_2012, S. 3)

Berlin ist eine vom Grün geprägte Stadt – nicht jeder vermutet das auf den ersten Blick in einer Metropole wie Berlin, insbesondere außerhalb der Stadt. Damit sich dies ändert, wurde die „Strategie Stadtlandschaft" entwickelt, die der Senat von Berlin jetzt auf den Weg gebracht hat. Natürlich, schön und produktiv sollen sie sein, die vielfältigen Grünflächen in der Stadt. Daran soll ressortübergreifend gearbeitet werden, denn es handelt sich nicht nur um ein freiraumbezogenes, sondern auch um ein kulturelles und standortpolitisches Stadtentwicklungsprojekt.

Stadtlandschaften sind auch Kulturlandschaften. Parks und Gärten, Promenaden und Plätze sind nicht nur wichtig für die Erholung und das Wohlbefinden der Stadtbewohner, sie sind auch Ausdruck einer spezifischen Stadtkultur. Historische und zeitgenössische Anlagen verleihen ihrer jeweiligen Stadt Unverwechselbarkeit.
Öffentliche Freiräume, Stadtplätze, Promenaden und Fußgängerzonen, Parkanlagen und Grünverbindungen sind die Visitenkarte der Stadt. Im Gegensatz zu anderen Facetten der Stadtentwicklung, die oft auch von privaten Akteuren abhängen, hat es die Stadt Berlin selbst in der Hand, die Entwicklung ihrer öffentlichen Räume zu steuern und zu fördern und damit der Stadt ein einmaliges, prägnantes Profil zu geben. So wirken die Freiräume auch identitätsstiftend, insbesondere, wenn die Bürger in die Planung und Pflege eingebunden werden.

Baukultur besteht aus drei wesentlichen Schritten: einem integrativen und offenen Planungsprozess, einem ästhetisch hochwertigen, funktionierenden und nachhaltigen Ergebnis und – ist das Projekt einmal fertig gestellt – Respekt vor dem Bestand und der Pflege. Wettbewerbe haben sich als Methode bewährt, um für einen Ort die jeweils beste Lösung zu finden.

In den letzten 20 Jahren sind in Berlin viele neue Parkanlagen entstanden, meist auf ehemaligen Bahnhöfen, Gleisanlagen oder Flughäfen. Gekrönt wird diese Entwicklung von den beiden größten innerstädtischen Grünanlagen Berlins, dem zu weiten Teilen schon fertig gestellten Park am Gleisdreieck und der jetzt entstehenden Parklandschaft Tempelhof. Intensive Bürgerbeteiligung und erfolgreich durchgeführte Wettbewerbe haben dazu geführt, dass trotz knapper Mittel qualitativ hochwertige Parkanlagen entstehen werden. Die IGA 2017 auf der Tempelhofer Freiheit wird dies eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Zunehmend an Bedeutung gewinnt das Urbane Gärtnern, auch als Ausdruck des Wunsches wieder selbst produktiv zu werden. Neben den klassischen Kleingärten, die weiter eine wichtige Rolle spielen, entwickeln sich interkulturelle Gärten und Gemeinschaftsgärten in neuen Organisationsformen, die das Zusammenleben in der Großstadt fördern. Auch das wird eine Facette der Parklandschaft Tempelhof sein.
In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich die Aufmerksamkeit auch verstärkt der Peripherie zugewandt. Berlin hat dort aufgrund seiner besonderen Geschichte in West wie Ost umfangreiche Landschaftsräume. Diese Freiräume bieten häufig ein großes Potenzial für Verbesserungen. Im östlichen Berliner Barnim sind ausgeräumte Agrarlandschaften wie die Wartenberger Feldflur ästhetisch und ökologisch aufgewertet und durch Wege für die Bevölkerung erschlossen worden. Partner dabei ist die Land- und Forstwirtschaft, die den größten Teil der Flächen weiter bewirtschaftet. Diese Räume werden von der Bevölkerung gut angenommen und sind auch Ziel von Fachbesuchern. Die neue Idee der Urbanen Landwirtschaft wird auf dem ehemaligen Flughafen Gatow am südwestlichen Stadtrand umgesetzt werden, ein Teil der produktiven Stadtlandschaft.

Die Gemeinsame Landesplanung Berlin/Brandenburg kümmert sich um länderübergreifende Regionalparks, in denen jeweils eine spezifische regionale Kulturlandschaft erhalten bzw. entwickelt wird.

Die vielen neuen Grünräume, die in Berlin seit der Wende entstanden sind und noch entstehen, gilt es auf Dauer zu erhalten. Etwas in die Jahre gekommene Anlagen brauchen teilweise eine Sanierung und Aufwertung. Auch dies ist Bestandteil der „Strategie Stadtlandschaft".

Die Anpassung an den Klimawandel und an sich verändernde Nutzungsgewohnheiten der Bevölkerung wird eine zunehmend wichtigere Aufgabe. Wir wollen auch deswegen 10.000 neue Straßenbäume für Berlin pflanzen. Wir würden uns freuen, wenn uns die Berliner bei der Pflege der Bäume unterstützen.

Der pflegliche Umgang mit dem Grün in Berlin durch die Bevölkerung und die zuständigen Verwaltungen erfordert ausreichende Mittel und den Respekt vor den geschaffenen und gewachsenen Werten. Und so landet man am Ende, wie immer, wenn es um das Berliner Grün geht, bei Peter Josef Lenné: „Nichts gedeiht ohne Pflege; und die vortrefflichsten Dinge verlieren durch unzweckmäßige Behandlung ihren Wert."

Ihr
Michael Müller
Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Berlin

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