Baukastensystem in Holz

Flüchtlingsunterkunft in Esslingen
(in: BAUKULTUR 3_2019, S. 16-17)

Das „Hoffnungshaus“ in Esslingen von andOFFICE Architekten ist durch ein modulares Baukastensystem in Holz für integratives Wohnen von Geflüchteten und Einheimischen entstanden. Die weiche, geschwungene, positive Formensprache stärkt sowohl die Identifikation der Bewohner mit ihrem neuen Zuhause als auch die Akzeptanz innerhalb der Nachbarschaft und unterstützt so die inhaltliche Konzeption.

Hoffnungshaus 1

Kombination von Elementen
Ausgangspunkt für die Entwicklung von „Hoffnungshäusern“ war die Flüchtlingskrise. Der modulare Baukasten dient der schnellen und qualitativ hochwertigen Planung von bezahlbarem Wohnraum. Zur Realisierung unterschiedlicher Gebäudegrößen werden dabei keine Raummodule, sondern wenige Elementmodule nach einem klaren Grundprinzip kombiniert. Die Gebäude entsprechen dem Standard des Sozialen Wohnungsbaus und sind als innovativer und nachhaltiger Wohnraum durch multifunktionale Grundrisse für unterschiedliche Nutzergruppen konzipiert. Das Hoffnungshaus in Esslingen ist das zweite von 6 realisierten Gebäuden. 5 weitere befinden sich im Bau, 8 weitere in konkreter Planung, eine Vielzahl von Standorten in der Voruntersuchung.

Hoffnungshaus 2

Modifizierte Grundrisse
Das Gebäude ist als Zweispänner mit innenliegendem Treppenhaus organisiert. Ein Schlafraum hinter dem Treppenhaus fungiert als Schaltraum, wodurch geschossweise unterschiedliche Wohnungsgrößen entstehen. Zentrales Element jeder Wohnung ist eine großzügige Wohnküche. Verkehrsflächen wurden zugunsten nutzbarer Wohnfläche minimiert. Eine Minimierung tragender Innenwände ermöglicht die einfache Modifikation der Grundrisse im Lebenszyklus für wechselnde Nutzergruppen. Den effektiv geplanten Flächen des Innenraums stehen großzügige Balkone über die komplette Längsseite des Gebäudes gegenüber. Diese sind Fortführung der Wohnküchen in den privaten Außenraum.

Fassadenstruktur
Eine vertikale Holzleistenfassade mit unterschiedlichen Leistenabständen strukturiert die Fassade in horizontale Bänder, welche Gebäude und Balkone kontinuierlich umspielen. Flächenbündige Blendrahmen um unregelmäßig positionierte Fenster bilden Brandriegel aus zementgebundener Spanplatte. Dieselbe Oberfläche bekleidet ebenso Balkonfassade und Treppenhaus. Innen erzeugen konstruktive Oberflächen ohne zusätzliche Ausbauschritte ein angenehm warmes Raumgefühl bei gleichzeitiger Kosteneinsparung. Die Untersichten der BSP-Massivdecken und OSB-Oberflächen der Holzständerwände bleiben sichtbar, der Estrich ist lediglich klar versiegelt.

Hoffnungshaus 3

Reduktion von Zeit und Kosten
Der Einsatz von BSP-Massivdecken ermöglicht eine kostengünstige Konstruktion der großzügigen Balkone als statische Kragarme. Durch die computergestützte Fertigung lässt sich deren geschwungene Kontur wirtschaftlich umsetzen. Trotz einer niedrigen Baukosten-Obergrenze konnten des weiteren Holzfenster, eine Luftwärmepumpe, Fußbodenheizung und hochwertig geflieste Bäder realisiert werden. Die BIM-basierte Planung und Ausführung ermöglicht, bei geringem Planungsaufwand mit Baukörpern von 12 bis 24 m Länge auf unterschiedliche städtebauliche Rahmenbedingungen zu reagieren. Durch die Vereinfachung im Baukastensystem ist die Vorfertigung standortunabhängig, und viele Module können bereits auf Halde produziert werden. Eine Reduzierung des Zeitaufwands findet in der kompletten Prozesskette Architekturplanung, Arbeitsvorbereitung, Fertigung und Montage statt. Zusätzlich führen die Wiederholungen zu einer deutlichen Kostenersparnis bei den Baunebenkosten.

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