Wohnlicher Charakter

Umbau und Sanierung eines Pflegeheims in Augsburg
(in: BAUKULTUR 6_2019, S. 13)

Das Fürsorge- und Altersheim St. Afra wurde 1927 für weibliche Pflegebedürftige, Fürsorgezöglinge und Obdachlose in Augsburg durch den Architekten Michael Kurz gebaut. Ihm gelang es, den umfangreichen Neubau taktvoll in den kleinmaßstäblichen Stadtorganismus hinter dem Dom einzugliedern. Würdigung erfuhr seine Arbeit beim Afraheim posthum durch den Status des Gebäudes als Einzeldenkmal.

Endres 1

Eine Bestandsuntersuchung führte 2014 zur Beauftragung des Architekturbüros Endres + Tiefenbacher durch die Diözese Augsburg. Die Baumaßnahme beinhaltete neben der Generalsanierung des Bestandsgebäudes auch die Erweiterung in Form einer Vollküche und eines Aufenthaltsbereiches. Ein Ersatzneubau, der direkt mit dem Bestandsgebäude verbunden ist, erhöht die Bewohneranzahl auf 90 Personen. Gravierende Eingriffe wie das neue Haupttreppenhaus strukturieren das Gebäude klarer und machen es „luftiger“. Gleichzeitig erfüllt es nun Vorgaben zum Brandschutz, Arbeitsschutz, Denkmalschutz und zur Barrierefreiheit.

Endres 2

Funktionales Einbaumöbel
Zur Einhaltung der geforderten Bewegungsflächen in den Bewohnerzimmern wurde eine spezielle Sanitärraumlösung entwickelt. In Abstimmung mit der Heimaufsicht und dem Nutzer, dem Sozialdienst katholischer Frauen, entstand ein Einbaumöbel, das ein Waschbecken und eine Toilette nach DIN 18040-2 beinhaltet. Über ein Schiebetürsystem können verschiedene Raumsituationen erzeugt und die Mindestgröße von 14 m² und die Bewegungsfläche von 120x120 cm eingehalten werden. Das Schreinermöbel integriert die neue Haustechnik, innenseitig Stauraum und außenseitig einen Spiegel, sodass ein kleiner Garderobenbereich in den Zimmern entsteht.

Hygiene und Orientierung
Die Fußböden in Holzoptik und die denkmalgerechte Detaillierung der Fenster bringen die ursprüngliche Atmosphäre wieder in die Innenräume des Afraheims. Dieser wohnliche Charakter korrespondiert mit den geforderten Hygienestandards aufgrund der Verwendung des Materials Vinyl. Festeinbauten in lichtgrauer und weißer Optik vermitteln zeitlose Modernität, während Farbigkeit an ausgewählten Wandflächen den Individualbereich und das Orientierungssystem in den Fluren bestimmt.

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