BAUKULTUR 6_2019: Editorial

(in: BAUKULTUR 6_2019, S. 3)

Liebe Leserinnen und Leser,
verehrte Freunde der Baukultur,

die vorliegende BAUKULTUR widmet sich dem Umbau und der Sanierung von Bestandsgebäuden. Vorangegangene Hefte mit Schwerpunkten zu den Themen Klima, Fassade und Holzbau haben aus unterschiedlichen Perspektiven die erforderliche Nachhaltigkeit vom Planen und Bauen beschrieben. Wir erfahren gerne, dass die Neuerungen in Konstruktion, Materialentwicklung, Ökologie und Recyclingfähigkeit zum Teil unerwartete Erfolge zeigen, die uns Architekten und Ingenieure inspirieren und zu verantwortlichem Planen und Bauen auch für die Zukunft anregen. Dabei geht es immer um den verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen:

Boden. Das Planungsrecht stärkt mit §1a Abs.2 der Bodenschutzklausel die Innenentwicklung der Städte. Ein sparsamer Umgang mit der Fläche setzt verdichtete Kernstädte voraus, die Wohnen und Arbeiten verknüpfen und lebendige lebenswerte Umgebungen erhalten. Die Aufgabe ist aber nicht nur eine planerische und organisatorische, sondern sie setzt voraus, dass die Gesellschaft die ökonomischen Grundvoraussetzungen für das Zusammenleben in Städten schafft und erhält.

Rohstoffe. Der sparsame Einsatz von Rohstoffen beginnt mit dem optimierten Einsatz nach Leistungsfähigkeit und Ökonomie. Die baubiologische Unbedenklichkeit der eingesetzten Materialien darf heute durchgängig vorausgesetzt werden. Die Nachhaltigkeit der Baustoffe wird nach deren Aufwand zur Herstellung, zum Erhalt und zum Abbau bewertet. Im besten Falle werden die Rohstoffe mit wenig Energieaufwand wiederverwendet. Wichtig ist, dass die Zeiträume für die Reproduzierbarkeit der erneuerbaren Rohstoffe eingehalten werden und die nicht erneuerbaren Rohstoffe mit größter Zurückhaltung eingesetzt werden. Die Nutzung des Wassers muss hier besonders herausgestellt werden. Durch Verschmutzung, Verschwendung und menschengemachten Klimawandel gefährden wir die bedeutendste Lebensgrundlage unserer Erde.

Energie. Das stetige Anwachsen der Treibhausgase wie CO2 in der Atmosphäre führt zu einem Ansteigen der Temperaturen und ist verantwortlich für den Klimawandel. Ein sparsamer Umgang mit Energie ist daher Grundlage allen weiteren Handelns. Die nicht erneuerbaren Energien müssen mit höchster Priorität durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Neuerungen und Entwicklungen müssen immer auf den erforderlichen Energieeinsatz bilanziert werden.

Umbau. Die Umnutzung vorhandener Bauwerke kann zu einem verantwortlichen Umgang mit Ressourcen erheblich beitragen: Geeignete Bauten können ergänzt und nachverdichtet und in ihren Funktionen auf wechselnde Bedürfnisse
der Gesellschaft angepasst werden. Dies ist in der Folge ein nicht zu vernachlässigender Aspekt zum Erhalt einer Nachbarschaft von Wohnen und Arbeiten. Im Dorf ist das selbstverständlich, in der Stadt muss es geplant und verteidigt werden. Der Umbau geeigneter Bauwerke verbessert die Energiebilanz bereits durch die Verlängerung von deren Nutzungsdauer. Der Aufwand des Umbaus wird für Bauherren zukünftig attraktiv durch die Refinanzierung einer optimierten verbrauchsabhängig zu entrichtenden CO2-Abgabe für die Gebäudeinfrastruktur – und wird für die Mieter refinanziert durch ein energiesparendes Verhalten in der Nutzung des Gebäudes. Im besten Fall ist der Erhalt qualitätvoller Bausubstanz ein kultureller Marker zur Erinnerung in einer sich weiter entwickelnden Gesellschaft und in deren Lebensraum. Neue Architektur soll ihren Platz neben selbstbewussten wertvollen Bestandsgebäuden finden. In vielen deutschen Städten ist dies heute schon Planungs- und Baugenehmigungsalltag.

Ausblick. Der vor mehr als 50 Jahren gegründete Club of Rome hat 1972 seinen Bericht zu den Grenzen des Wachstums vorgelegt. Dieser stellte eine Zäsur in der Bewusstseinsentwicklung der nachindustriellen Gesellschaft dar. Für manchen sind die Prognosen Abbild einer apokalyptischen Zukunftsvision. Planen und Bauen heißt, aus der Verantwortung für die Zukunft zu denken und zu handeln. Wir erkennen daher in den Analysen des Club of Rome und aus vielen neuerlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen den Appell an den Erfindergeist des Menschen, seine Intelligenz und seine ökologische und soziale Verantwortung.

Ich hoffe, wir sind auf einem guten Weg.

Ihr
Dipl.-Ing. Arnold Ernst
DAI Präsident

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