Himmel auf Erden

Umnutzung zu einem Wohngebäude in Aschaffenburg
(in: BAUKULTUR 5_2020, S. 22-23)

In einer ehemaligen Lagerhalle ist ein Himmelreich entstanden. Das Konzept des Aschaffenburger Büros Seitz Architektur: Clever ineinander verschachtelte Boxen, die den Raum strukturieren und verschiedenste Funktionen übernehmen. So entstanden Stauräume und Nischen zum Sitzen, Schlafen und Arbeiten. Wie ein schützender Himmel spannen sich die Boxen über die Köpfe der Bewohner und schaffen viel Behaglichkeit.

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Das ursprünglich als Obst- und Gemüselager genutzte Gebäude aus den 1960er Jahren war gewerblich nicht mehr sinnvoll nutzbar. Mit seiner Lage inmitten eines innerstädtischen Wohnblocks wollten die neuen Eigentümer die Halle erhalten, sie aber zu einem Loft umbauen.

Erhalten statt Abreißen
Für den Umbau sprachen auch ökologische Aspekte. Durch die Erhaltung der Gebäudesubstanz konnte unnötiger Abfall vermieden werden. Dazu kommt, dass die aus Holz gefertigten Einbauten einfach wieder rückbaubar sind. Durch die Dämmung der Gebäudehülle in Verbindung mit der Umstellung auf moderne Heiztechnik wurde der Primärenergieverbrauch gesenkt. Dabei dient der Keller heute als thermischer Puffer. Auf eine Lüftungsanlage konnte wegen des großen Raumvolumens verzichtet werden. Insgesamt fällt die Ökobilanz dieser Umnutzung ausgesprochen positiv aus. Im Ergebnis konnte nahezu der Energiestandard eines Neubaus erreicht werden.

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Raumkonzept
Bei der Planung ging es darum, das ursprüngliche Raumvolumen wieder erlebbar zu machen. Dazu wurden alle Einbauten entfernt, alte Bauteile aber soweit wie möglich erhalten. Heute dient z. B. der alte Lastenaufzug als Getränkelager, und die ehemalige Laderampe wurde zur überdachten Terrasse. Sie verbindet den komplett verglasten Wohnraum mit der neu gewonnenen Gartenfläche im Innenhof.

Living in the Box
Drei Boxen – frei in die Halle gestellt und in sich verschachtelt – gliedern den Raum. Die aufwändige Holzkonstruktion trennt die intimen Bereiche Schlafen, Bad und WC vom Wohnraum. Fast das gesamte Mobiliar ist in diesen Boxen integriert. Die Schlafzimmerbox aus Birke-Multiplex-Platten spannt sich als Alkoven schützend über das Bett. Sie bietet Stauraum und eine Sitznische in der Garderobe. In der blau lackierten Badezimmerbox finden sich Nischen für das WC, ferner sind die Dusche und der begehbare Kleiderschrank darin integriert. In der Küchenbox mit ihrer grau beschichteten Oberfläche steht üppig bemessener Stauraum zur Verfügung. Die kochfreudigen Bewohnerinnen finden darin alle benötigten Funktionen. Selbst an eine kleine Nische am Eingang mit Schlüsselablage und Handyladestation wurde gedacht. Eine weitere Box durchstößt die Fassade. Sie schafft eine neue Eingangssituation und flutet durch ihre gläserne Haut das Zentrum des Gebäudes mit Tageslicht. Auf der Fläche in Richtung Garten bleibt viel Platz für den großzügigen Wohnraum.

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Lichtplanung
Großer Wert wurde auf eine gute Versorgung des Gebäudes mit Tageslicht gelegt. Dazu wurde die ehemals geschlossene Wand zur Laderampe vollständig geöffnet und verglast. Die teilweise Öffnung der seitlichen Eingangsfassade wirkt mit ihrer mattierten Verglasung wie eine übergroße, japanische Reispapierleuchte und bringt ebenfalls Helligkeit in den Baukörper. Ein zentral eingeschnittenes Oberlicht auf der Dachfläche versorgt das Bad mit Tageslicht. Und die bewusst nicht raumhoch ausgeführten Boxen sind so gestaltet, dass sich das Licht gleichmäßig über alle Räume verteilen kann. Für die abendliche Beleuchtung wurden verschiedene Leuchtkörper in die Boxen integriert. Eine abgehängte Lichtschiene im Wohnraum trägt die Esszimmerleuchte und eine Reihe einstellbarer Punktstrahler. Alles ist dimmbar, sodass sich je nach Bedarf individuelle Lichtakzente und -stimmungen setzen lassen, die stets die perfekte Umgebung kreieren für ein genussreiches Wohnen, wo einst Obst und Gemüse lagerten.

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