Eine Bühne für den Bestand

Büro- und Geschäftshaus in Düsseldorf
(in: BAUKULTUR 2_2021, S. 10-11)

Mit dem Büro- und Geschäftshaus Fürst & Friedrich haben slapa oberholz pszczulny | sop architekten einen 115 m langen Baukörper realisiert, dessen klare, reduzierte Architektur zur Beruhigung des Straßenbildes beiträgt und eine klassizistische Bestandsfassade in den Mittelpunkt rückt. Das Gebäude wurde zudem technisch und energetisch so optimiert, dass eine Zertifizierung nach dem LEED Gold Standard erreicht wurde.

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Für die opulente Natursteinfassade des historischen Büro- und Geschäftshauses bestand zwar kein Denkmalschutz, die Bewohner des Viertels nahmen sie aber seit jeher als Identifikationsmerkmal wahr, und auch den Architekten erschien sie als unbedingt erhaltenswert. Entsprechend rahmten sie die historische Fassade mit einer Glasfassade, sodass sie weiterhin als freigestellter Baukörper wahrgenommen wird. Damit erhielt das Relikt der ehemaligen preußischen Rheinprovinz, das die Stadtwappen von Köln, Koblenz, Düsseldorf, Aachen und Trier zeigt, eine ihm angemessene, hervorgehobene Position im Straßenraum.

Naturstein neben Glas
Der Neubau öffnet sich an der Ecke Friedrichstraße/ Fürstenwall mit großer Geste zum gegenüberliegenden Kirchplatz. Dabei lenkt die von einer massiven Gebäudekante aus hellem Naturstein gerahmte Glasfassade den Blick ins Innere des Gebäudes. Sie hebt die Spannung zwischen Alt und Neu hervor, indem sie einerseits das verbindende Element zwischen Bestands- und Hauptfassade bildet, andererseits aber eine bewusste Distanz zwischen beiden aufrecht erhält. Im Bereich des Hauptfoyers besteht die Pfosten-Riegel-Konstruktion aus rund 7,50 m hohen Glaselementen. Eine Ganzglas-Drehtrommeltüre komplettiert den transparenten Gebäudeabschnitt, der sich mit Glasgeländern im Innern fortsetzt.

Streng neben verspielt
Um einen größtmöglichen Kontrast zur Bestandsfassade herzustellen, präsentiert sich die ebenfalls aus Naturstein gefertigte Hauptfassade in strenger, zurückgenommener Form. Auf Vorsprünge und Gesimse wurde bewusst verzichtet, dagegen erzeugen einseitig angeschrägte Fensterlaibungen Plastizität und eine spannende Tiefenwirkung.

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Höhenentwicklung
Hinsichtlich der Höhenentwicklung orientiert sich das sechsgeschossige Gebäude mit Staffelgeschoss an der Nachbarbebauung. Das Staffelgeschoss ist von den umliegenden Straßen durch eine vorgelagerte, rund 4 m breite Dachterrasse kaum sichtbar. Im Innern öffnet sich hinter der transparenten Außenhaut ein über 17 m hoher Luftraum, der den Blick auf die Bestandsfassade frei macht. Sein Loftcharakter überträgt sich auf das großzügige Foyer im Erdgeschoss, auf die Panoramaaufzüge und auf die jeweiligen Empfangsbereiche und auskragenden Glasboxen in den Obergeschossen.

Bürogeschosse
Die Bürogeschosse sind flexibel aufteilbar und beinhalten diverse Arbeitsbereiche von Open-Space-Flächen mit Besprechungsinseln und Rückzugsbereichen über Kombizonen mit transparenten Konferenzräumen bis hin zu Einzel- oder Gruppenbüros. Außenterrassen auf mehreren Etagen bieten zusätzliche Aufenthaltszonen an warmen Tagen.

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Öffentliche Bereiche
Das zweigeschossige, rund 500 m² große Foyer dient auch der Öffentlichkeit als Raum für Begegnungen. Eine Bar, eine Lounge und eine Seating-Area von Design Offices stehen Mietern und Gästen für informelle Meetings, als Erholungs- oder Arbeitszone zur Verfügung. Die Gastronomieflächen im Erdgeschoss werden über einen separaten Eingang an der Friedrichstraße erschlossen. Am Eingang am Fürstenwall wurde ein schützenswertes Wandrelief aus dem Bestandsbau angebracht, das zusammen mit anderen erhaltenen Elementen an das vormalige Bestandsgebäude erinnert.

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