BAUKULTUR 3_2021: Editorial

(in: BAUKULTUR 3_2021, S. 3)

Liebe Leserinnen und Leser,
verehrte Freunde der Baukultur,

der Erhalt des Klimas ist unsere wichtigste und zugleich umfassendste Aufgabe, in die sich alle anderen Themen, ja sogar die Themen des Gesundheitserhaltes, einordnen müssen. Die vorliegende Zeitschrift unseres Verbandes zeigt Best-Practice-Beispiele des aktuellen Bauens, die auf unterschiedlichste Weise einen Beitrag zu einer klimaneutralen Entwicklung geben.

Ressource Boden
Die sparsame Nutzung der Ressource Boden ist vom Bundeskabinett im Januar 2017 mit konkreten Zielvorgaben formuliert worden. Bis zum Jahr 2030 will die Bundesregierung den Flächenverbrauch für die Neuausweisung von Verkehrs- und Siedlungsflächen auf weniger als 30 Hektar pro Tag verringern. Für das Jahr 2050 ist sogar ein Flächenverbrauch von Netto-Null im Sinne einer Flächenkreislaufwirtschaft gefordert. Hiervon sind wir derzeit noch weit entfernt. Derzeit werden pro Tag in Deutschland noch etwa 56 Hektar Bodenfläche für die Bebauung neu ausgewiesen. Der DAI ist Teil des Bündnisses Bodenwende, welches die sozial gerechte und nachhaltige Entwicklung von Stadt und Land fordert. Als Mitunterzeichner dieser Initiative setzt sich der DAI für einen verantwortlichen Umgang mit der Ressource Boden gegen die Bodenspekulation mit Bauland, aber auch gegen das so genannte Landbanking mit Ackerland ein. Neben den ökologischen Aspekten sind hier auch soziale Aspekte von größter Bedeutung, wenn wir zukünftig lebendige öffentliche Räume und bedarfsgerechte soziale Infrastrukturen erhalten wollen.

Erhalt des Bestandes und Verdichtung
Die wirksamste Ressourcenschonung entsteht durch eine möglichst lange Nutzung von Gebäuden und Infrastrukturen. Hierzu müssen diese vorausschauend geplant werden und eine dem Standort angepasste, angemessene Dichte erhalten. Möglichkeiten der Nachverdichtung sind zu nutzen. Eine langfristige Nutzung eines Gebäudes stellt aber auch Ansprüche an Bauqualität, Emissionsschutz und Energieverbrauch. Der geplante Gebäudeeffizienzerlass der Bundesregierung soll dabei nicht den Abriss von Gebäuden fördern, sondern Weiternutzung und kluge Sanierungs- und Umbaukonzepte bevorzugen.

Lebenszyklusbetrachtung
Die ganzheitliche Betrachtung von Gebäuden summiert neben dem Aufwand der Errichtung von Gebäuden deren Betrieb und Erhalt sowie deren Beseitigung. Im besten Fall sind Bauteile einfach recyclebar oder wiederzuverwenden. Dies trifft besonders auf Systembauten zu, die mit definierten Bauteilen und lösbaren Verbindungen ein Weiterbauen und ein Umbauen erleichtern. Für eine Vielzahl von Nutzungen sind Systembauten in Stahl- und Stahlbeton seit langer Zeit Stand der Technik. Die Nutzung von Holz als konstruktivem Baustoff in diesem Bereich zeigt allerdings in den letzten Jahren einen enormen Zuwachs, der insbesondere auf die positive CO2-Bilanz des Baustoffes zurückgeführt werden kann. Die Systembauten als solche profitieren von der modellbasierten Planung (BIM), die Grundlage für die koordinierte Planung, die Steuerung von CNC-Maschinen, die Prozessorganisation von Baustellen und den Betrieb der Gebäude ist. Die Planung ist leicht anpassbar und weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, dass der sich stetig erweiternde Baukasten an Systemen nicht vorrangig zu Copy-Paste-Lösungen führt, sondern die Variantenbildung geradezu fördert. Gut geplante und optimierte Systembauten sind ressourcenschonend und lassen sich in hoher Qualität vorfertigen. Die Verlagerung der qualitätsgesicherten Fertigungsprozesse in die Halle und der vermehrte Einsatz von industriellen Fertigungsmethoden sind eine wirksame Lösung gegen den erkennbaren Fachkräftemangel auf den Baustellen.

(Auch) Holz als Konstruktionsmaterial
Der Einsatz von Holz als konstruktives Baumaterial ist keine Neuerung im eigentlichen Sinne, eher eine Renaissance eines bewährten Baumaterials. Bereits im 19. Jahrhundert entstanden in den Großstädten bis zu neungeschossige Industrie- und Lagergebäude in Holz-Skelettbauweise. Die Beton- und Stahlbetonbauweise war aber wirtschaftlich attraktiver und bestimmte schnell das Bauwesen. Durch die Entwicklung von hochwertigem Brettsperr- und Brettschichtholz wurden wirtschaftliche, statisch und brandschutztechnisch nachweisbare Bauweisen entwickelt und weltweit das Baurecht überarbeitet. Tatsächlich gibt es auch in dieser Zeitschrift viele andere gute Beispiele für nachhaltiges Bauen etwa mit Ultraleichtbeton oder der Kombination von Speichermasse und intelligenter Gebäudetechnik.

Die Qualität entsteht aus der Vielfalt der Lösungen!

Herzlichst, Ihr
Dipl.-Ing. Arnold Ernst
DAI Präsident

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