Mut zur Farbe

Studentisches Wohnen in Regensburg
(in: BAUKULTUR 4_2021, S. 18.19)

Das Areal der ehemaligen Nibelungenkaserne in Regensburg mit seinen denkmalgeschützten Bauten zeichnet sich durch ausgedehnte Grünflächen und einen schönen alten Baumbestand aus. In zentrumsnaher Lage und direkter Nachbarschaft zur Hochschule, zur Universität und zum Universitätsklinikum haben Behnisch Architekten hier eine Wohnanlage für insgesamt 204 Studierende errichtet, die behutsam auf die naturräumliche Situation reagiert.

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Das langgestreckte, fünfgeschossige Gebäude rückt mit seinen verschwenkten Baukörperfluchten und Staffelungen in der Höhe auf der Ostseite von der großen bestehenden Eiche ab und lässt eine besondere Eingangssituation entstehen, während die Nordwestseite zusätzlichen Raum für qualitativ hochwertige Aufenthaltsbereiche im Freien bietet.

Verbindung von Straße, Haus und Grün
Zentraler Entwurfsgedanke ist die Verbindung zwischen der Straße im Süden, dem Haus und dem Grünzug im Norden. Ein neu angelegter, öffentlicher Fußweg bildet die Haupterschließung und mündet in eine breite, einladende Treppenanlage nahe des Eingangsbereichs, die hinunterführt in einen geschützten Hof und als Tribüne für unterschiedlichste Zwecke genutzt werden kann. Die öffentlichen Gemeinschaftsbereiche des Gartengeschosses sorgen hier mit Sitzgelegenheiten, einem Grillplatz und weiteren Aufenthaltsmöglichkeiten im Innen- und Außenbereich dafür, dass sich studentisches Leben und Treiben frei entfalten kann. Grüne Inseln sind in die Wiesen eingebettet – ein Ort, an dem sich Studierende aus der ganzen Welt zum Gespräch treffen und das Areal mit Leben füllen.

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Gemeinschaftsbereiche
Die Erschließungsbereiche öffnen sich um einen zentralen, geschosseübergreifenden Innenhof, der eine natürliche Belichtung und Belüftung ermöglicht und Raum für Begegnungen schafft. Hier reflektiert die Fassade mit den geschlossenen Elementen das Tages- und Sonnenlicht auf die jeweils gegenüberliegende Flurseite, während sie in den unteren Geschossen zunehmend transparenter wird. Unterschiedliche Farbtöne an Boden und Wand sowie Schrift- und Grafikakzente erleichtern die Orientierung im Gebäude.

Wohnräume
Die Wohneinheiten mit insgesamt 138 Einzelappartements und Wohnungen für insgesamt 25 Wohngemeinschaften sind im Gegensatz zu den farbbetonten Gemeinschaftsflächen warm und haptisch gestaltet und mit Balkon, Einbauküche, Badezelle und Holzmöbeln ausgestattet. Seitlich der Fensterrahmen wurden platzsparend so genannte Netzrohre montiert, die als Heizkörper der Lufterwärmung dienen. Geschützt durch eine Holzverkleidung sorgen sie für ein angenehmes, warmes Raumklima. Eine integrierte Lüftung stellt die kontrollierte Frischluftversorgung, optimale Luftqualität und thermischen Komfort sicher.

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Balkonfassade
Das farbige Licht- und Schattenspiel der Balkone bestimmt das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes. Die markante Farbgebung der geschlossenen Glaspaneele ist an den Gedanken der jahreszeitlichen Laubfärbung der umliegenden Bäume angelehnt. Durch die Schrägstellung der Fassade wird die Sicht auf den Balkon des Nachbarn verhindert und zugleich ein baulicher Sonnenschutz geschaffen. Die durchgehenden Handläufe und die mit einem Edelstahlnetz gefüllten Brüstungen stärken die transparente Erscheinung und gliedern zusammen mit den hellen Deckenstirnbändern die Fassade horizontal.

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