James-Simon-Galerie

Eingangsgebäude für die Berliner Museumsinsel
(in: BAUKULTUR 5_2019, S. 16-17)

Mit der James-Simon-Galerie von David Chipperfield Architects ist zwischen Kupfergraben und Neuem Museum ein Eingangsgebäude für das Ensemble der Berliner Museumsinsel entstanden. Gemeinsam mit der Archäologischen Promenade bildet die James-Simon-Galerie das Herzstück des 1999 entwickelten Masterplans, der seither als Ausgangspunkt für alle weiteren Planungen auf der Museumsinsel diente.

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Tor an neuralgischem Ort
Als neues Tor zur Berliner Museumsinsel kommt der James-Simon-Galerie besondere Bedeutung zu. Sie agiert an diesem neuralgischen Ort, indem sie das Spiel der Raumrichtungen auf der Insel und zur Stadt ergänzt und orientiert. Mit 4 Zugängen auf drei Ebenen macht sie die Mitte der Insel durchlässig und hebt ihre Trennungen auf. Sie ermöglicht es, eine große Anzahl an Besuchern aufzunehmen und alle notwendigen Service-Einrichtungen anzubieten. Der Neubau ist zum Lustgarten, der Schlossbrücke und dem Kupfergraben ausgerichtet. Oberirdisch schafft er die direkte Anbindung an das Pergamonmuseum und verknüpft dieses auf Höhe des Sockelgeschosses über die Archäologische Promenade mit dem Neuen Museum, dem Alten Museum und dem Bode-Museum. Durch die Staffelung der Gebäudevolumen bleibt der Blick von der Schlossbrücke in die Tiefe der Museumsinsel und auf das Neue Museum erhalten. Die Uferkante zum Kupfergraben wird durch einen hohen Sockel ausgebildet, über dem sich die Hochkolonnade als klassisches Piano nobile erhebt. Weite Bereiche dieser Hauptebene sind auch außerhalb der Öffnungszeiten frei zugänglich und erweitern den öffentlichen Raum. Die als Leitmotiv eingesetzten schlanken Stützen führen die am Neuen Museum endende Stülersche Kolonnade in zeitgenössischer Form fort und bilden zwischen Neuem Museum und James-Simon-Galerie einen kleinen Kolonnadenhof.

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Organisation und Einbindung
Eine breite Freitreppe zwischen dem langgestreckten Sockel und der unteren Kolonnade lädt zum Betreten des Gebäudes ein. Auf der oberen Ebene gelangt man in das großzügige Foyer, das sich entlang des Kupfergrabens zu einer großen Terrasse öffnet. Im Mezzaningeschoss befinden sich Museumsshop, Garderobe und WCs, im Sockelgeschoss liegen die temporären Ausstellungsbereiche und das Auditorium. Die Architektursprache der James-Simon-Galerie bedient sich vorgefundener Elemente der Museumsinsel, vor allem aus der Freiraumarchitektur, wie gebaute Topografie, Kolonnade und Freitreppe, und bezieht sich damit auf Schinkel, Stüler und die anderen Architekten, die hier gewirkt haben.

Materialien
Betonwerkstein ist das prägende Material der Fassaden aus großformatigen Fertigteilen. Zuschläge aus weißem Lengefelder Marmorschotter binden das Eingangsgebäude tonal in die vielfältigen Materialien der Museumsinsel ein. Hinter den vorgelagerten schlanken Stützen aus demselben Material ist die Gebäudehülle durch Glasfassaden geschlossen. 8 m hohe „Glasschwerter“ hinter der Hochkolonnade stabilisieren die Verglasungen. Gleichzeitig öffnen sie den Blick auf die Umgebung und schaffen eine Verbindung von Innen und Außen. Das Innere ist von sorgfältig gestalteten und hochwertig strukturierten Oberflächen bestimmt, insbesondere glattgeschalten Ortbetonwänden und -decken in Sichtbetonqualität und Fußböden aus hellem Crailsheimer Muschelkalk. Mezzaningeschoss und Auditorium erhielten ein Parkett aus geräucherter Eiche. Hinzu kommen Einbauten aus europäischem Nussbaum im Museumsshop und der Garderobe sowie Wandbekleidungen aus demselben Material im Auditorium und im unteren Foyer. Neben Bronze für Fensterprofile, Türen und Handläufe im gesamten Gebäude wurde ein Kupfergeflecht an ausgewählten Decken eingesetzt. Der Eingang der Hauptebene und die Abschlusswand der oberen Eingangshalle sollten in der Tradition historischer Bauten durch den Einsatz transluzenten Materials mit einer geheimnisvollen Leuchtkraft akzentuiert werden. Die Wahl fiel auf einen sehr hellen, gebänderten Marmor aus Thassos im Norden Griechenlands, der in dünnen Scheiben auf Glas aufgebracht wurde.

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Nachhaltigkeit
Die James-Simon-Galerie weist eine sehr gute energetische Gebäudequalität auf. Das Gebäude unterschreitet die in der Energieeinsparverordnung zum Zeitpunkt des Bauantrages geforderten Werte erheblich. Die Planung erfolgte nach dem Nachhaltigkeitsgrundsatz, den Energiebedarf zu mindern anstatt die Deckung des Energiebedarfs zu optimieren.
Das Energiekonzept ist insbesondere in den Ausstellungsbereichen durch hohe Anforderungen an die Klimakonstanz geprägt. Die Optimierung von u. a. baulichem Wärmeschutz und nutzbarer Speichermassen mindert den hierfür notwendigen Energieverbrauch. Der Einsatz von Drehtrommeltüren und Windfängen reduziert Wärmeverluste durch Lüftung trotz der erwarteten hohen Nutzungsfrequenz nachhaltig.

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