Ein Bootshaus zum Wohnen

Umbau einer ehemaligen Lagerhalle in Essen
(in: BAUKULTUR 6_2019, S. 16-17)

Die ehemalige zweischiffige Lagerhalle, später als Bootshaus genutzt, da direkt an der Ruhr gelegen, war Bestandteil einer Kammgarnspinnerei in Essen.
 Die westliche Hälfte stammt aus dem späten 19. Jahrhundert.
 Die östliche Hälfte wurde 1942 im baugleichen Stil angegliedert. Ahlbrecht Baukunst hat das Gebäude zum Wohnhaus transformiert.

Ahlbrecht 1

Der Bau, zuletzt als Automatenlager genutzt, verfiel zusehends. Sein Zustand war vor Baubeginn desolat.
Viele der historischen Öffnungen waren zugemauert, der Dachstuhl stark geschädigt, die rissigen Außenwände mit einer weißen Lackfarbe versehen. Seit 2011 steht die Halle als Teil der Kammgarnspinnerei unter Denkmalschutz.

Einbindung in die Geschichte
Der Entwurf berücksichtigt die ehemalige funktionale Nutzung der Lagerhalle. Alle historischen Öffnungen wurden freigelegt, auf ihre historische Größe zurückgeführt und die neuen Fenster entsprechend des historischen Vorbildes nachgebaut. Lediglich auf der Westseite sind für das Badezimmer und ein Kinderzimmer drei neue Öffnungen entstanden. Die neuen Räume sind dem axialen Prinzip der zweischiffigen Lagerhalle folgend angelegt. Um die Achse des Mittelflures gliedern sich die Privaträume. Im fast 100 m² großen Wohnraum mit offener Küche ist die ehemalige Dimension der alten Lagerhalle erfassbar. Der Raum reicht hier bis zu den Satteldächern.

Ahlbrecht 2

Erweiterung durch Glas
In der Mitte des Gebäudes wurde zwischen den Firsten ein verglaster Aufbau integriert, von dem man einen schönen Blick auf die Ruhr und in den Wohnraum hat.
Die Galeriefläche ist zum Wohnraum hin offen und mit einer gläsernen Brüstung versehen. Sie ruht auf U-förmig angelegten Sichtbetonelementen, die in die Halle eingestellt und oberhalb zur Dachfläche komplett verglast sind, was den Wohnraum nach Norden hin optisch erweitert.

Einbeziehung historischer Elemente
Noch vorhandene historische Elemente wie historische Fenster und die Eingangstür wurden erhalten und saniert. Ferner wurde der Dachstuhl in seine Einzelteile zerlegt und alle brauchbaren Sparren und Stützen wiederverwendet. Alle Räume, mit Ausnahme der gefliesten Badezimmer, erhielten breite Eichendielen und sind mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. Die innere und äußere Beleuchtung wurde zusammen mit einem Lichtplaner konzipiert. 
Durch eine Innendämmung aus Calciumsilikatplatten war es möglich, die Ziegelsteinfassade zu erhalten und dennoch der Energieeinsparverordnung entsprechen zu können.

Ahlbrecht 3

Außenanlage
Die orthogonale Struktur des Gebäudes findet ihre Entsprechung in den Außenanlagen. Große hölzerne Terrassen schließen sich auf den Giebelseiten über die gesamte Gebäudebreite an. In der nördlichen Ecke des Grundstücks wurde eine Garage mit Lagerraum unter Verwendung gleicher Ziegelsteine angeordnet. Das Grundstück ist mit Hecken und holländischen Linden, die spalierförmig gezogen wurden, umfasst. Zur Straße hin blieben die alte Flutschutzmauer und der historische Zaun erhalten.

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