Wiederbelebt

Friedhofskapelle in Potsdam
(in: BAUKULTUR 6_2021, S. 12-13)

Einst lenkte der Tod die Geschicke in der und um die ehemalige Friedhofskapelle auf der Havelhalbinsel Tornow in Potsdam. Seit der Umgestaltung in ein Wohnhaus hat das Leben das Zepter übernommen. Die Berliner Architekten Müller-Stüler und Höll haben das Projekt geplant.

Friedhofsfkapelle Hermannswerder 10

Um das Jahr 1900 herum ließen die Eheleute Clara und Hermann Hoffbauer in Potsdam zahlreiche Bauten im neogotischen Stil errichten, die seit 1901 den Stammsitz der Hoffbauer-Stiftung beherbergen. Zu ihren Projekten gehörte auch eine Kapelle, die 1895 nach den Plänen des Architekten Robert Lembcke auf dem Friedhof der Halbinsel Tornow, dem heutigen Hermannswerder, erbaut wurde.

Entweihung der Kapelle
In der Kapelle waren einst beheizbare und über Dachfenster belichtete Labor- und Sezierräume eingerichtet. Nachdem das Gebiet nach 1945 zum Trinkwasserschutzgebiet erklärt worden war, kam es zur Auflassung des Friedhofs und zur Entweihung der Kapelle,
die daraufhin bis Ende der 1970er Jahre leer stand.

Wohnen und arbeiten
Im Jahr 1979 begannen die Künstler Barbara und Karl Raetsch das inzwischen ruinöse Gebäude zu einem Wohn- und Atelierhaus auszubauen. Sie nutzten es als solches bis 2004. Seit 1997 wird die Kapelle als Einzeldenkmal in der Denkmalliste des Landes Brandenburg geführt. Inzwischen ist sie denkmalgerecht instandgesetzt und zu einem Wohnhaus ausgebaut.

Friedhofsfkapelle Hermannswerder 09

Sanierung und Ausbau
Im Zuge der Sanierung wurden die zu DDR-Zeiten vorgenommenen Einbauten rückgebaut. Das durch Holzschutzmittel kontaminierte Dachgebälk wurden durch eine neue, wärmegedämmte Dachkonstruktion ersetzt, und die Dachflächen wurden wieder mit Schiefer eingedeckt. Zudem wurde eine Stahlbetondecke entfernt, die eine Dachgeschossebene im Langhaus ausbildet hatte. Um im Dachgeschoss der Querhäuser ausreichend Stehhöhe zu gewinnen, wurden die Holzbalkendecken rückgebaut und Ziegeldecken auf niedrigerem Niveau eingebaut. Ein bereits früher erkannter, aber unzureichend behandelter Befall mit echtem Hausschwamm erforderte eine umfassende Schwammsanierung, die letztlich das gesamte Mauerwerk umfasste. Alle zweischaligen Mauerwerkswände wurden mit einem mineralischen Dämmstoff verfüllt. Die bauzeitlichen Fliesenbeläge im Erdgeschoss wurden zur Wiederverwendung geborgen. Auch eine wärmegedämmte Fußbodenkonstruktion mit Fußbodenheizung wurde in das Gebäude eingebracht. Im Langhaus entstand eine Galerieebene als Stahlkonstruktion, die als Wohnbereich und der Erschließung der Räume im Obergeschoss der Querhäuser dient.

Friedhofsfkapelle Hermannswerder 36

Großzügige Raumaufteilung
Der Zugang erfolgt über das Querhaus. Von hier aus werden der Wohnbereich im Langhaus mit offener Küche und großem Kaminofen sowie der Elternbereich mit Bad, Schlaf- und Arbeitszimmer erschlossen. Zusätzlich zum Wohnbereich verfügt das Gebäude über fünf Zimmer und drei Bäder auf rund 200 m² Wohn-/Nutzfläche. Das neu errichtete Nebengebäude bietet zudem Platz für einen Hauswirtschaftsraum und eine Werkstatt. Die ebenfalls neu errichtete Garage nimmt die Autos, Fahrräder und Boote auf.

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