Öffentliche Räume im Blick: Der neue Baukulturbericht

Foto: Bundesstiftung Baukultur

Ende Juni hat die Bundesstiftung Baukultur ihren neuen Baukulturbericht 2020/21 "Öffentliche Räume" vorgestellt. In der Erarbeitungsphase waren die weitreichenden Veränderungen des gesellschaftlichen Lebens durch die Corona-Pandemie noch nicht abzusehen. Unter den neuen Vorzeichen zeigt sich nun ganz besonders, wie systemrelevant Baukultur für die Lebensqualität der Menschen ist. Denn letztere hängt maßgeblich davon ab, wie unsere Räume, private wie öffentliche, geplant und gestaltet sind. Der Baukulturbericht analysiert Herausforderungen im Bereich öffentlicher Räume, bietet Handlungsempfehlungen für Planung, Gestaltung und Unterhalt, liefert Ergebnisse aus Bevölkerungs- und Kommunalumfragen und zeigt gute Beispiele aus der ganzen Republik.

In diesen Tagen nehmen wir unser unmittelbares Wohnumfeld mit anderen Augen wahr und entdecken es mitunter neu: Weite Reisen, beruflich wie privat, fallen aus; das Auto bleibt häufiger stehen, stattdessen werden mehr Wege zu Fuß und mit dem Fahrrad zurückgelegt. Gut gestaltete Freiflächen, für alle zugänglich und mit Rückzugsmöglichkeiten ausgestattet, sind unbezahlbare Erholungsräume vor der eigenen Haustür. Lokale Strukturen werden verstärkt unterstützt, gute Nachbarschaft erfährt eine neue Wertschätzung, und wir erleben eine neue alltägliche Solidarität. Die Arbeit am Baukulturbericht 2020/21 "Öffentliche Räume" war bereits abgeschlossen, als sich abzuzeichnen begann, wie tiefgreifend die Corona-Pandemie das gesellschaftliche Leben verändern würde. Im Licht dieser Entwicklungen zeigt sich noch deutlicher, wie öffentliche Räume als Innovationsbeschleuniger für die Gesellschaft wirken können. Diese Phase der Neuorientierung birgt große Chancen, um Dinge auszuprobieren und für den Dauergebrauch anzupassen.

Verkehrsflächen für alle denken

Vielerorts wird derzeit z. B. eine Neuaufteilung von Verkehrsräumen zugunsten von Fußgängern und Radfahrern geprüft und umgesetzt: Autospuren werden in Pop-Up-Radwege verwandelt oder für den Fußverkehr freigegeben, eine Verstetigung nicht ausgeschlossen. Generell ist laut Baukulturbericht die Abkehr von der autogerechten Stadt hin zu einer Verkehrsinfrastruktur, in der der menschliche Maßstab wieder mehr zählt, ein großes Thema, auch mit Blick auf den demografischen Wandel: Laut Destatis wird bis zum Jahr 2060 der Anteil junger (unter 18 Jahre) und
älterer Menschen (ab 67 Jahre) an der Gesamtbevölkerung steigen. Diese Gruppen müssen verstärkt berücksichtigt werden, was eine barrierefreie und bedarfsgerechte Planung und Gestaltung von Straßen, Plätzen, Gebäuden, Parks und Wegen angeht.

Öffentliche Räume für Gesundheit und Erholung

Die Krise lässt die Menschen zahlreich in Grünanlagen, Parks und öffentliche Gärten strömen. Neben positiven Aspekten für die Gesundheit profitieren von Bäumen und Pflanzen Stadtklima und Baukultur auf vielerlei Art: Sie spenden Schatten, filtern verschmutzte Luft, produzieren Sauerstoff, absorbieren Strahlung, speichern Regenwasser und geben es zeitverzögert wieder an die Atmosphäre ab. Damit begegnen sie immer häufiger auftretenden Wetterereignissen wie Starkregen oder großer Hitze. Gleichzeitig sind sie als räumlich wirksame Kulisse für den Städtebau bedeutsam.

Eine Lobby für öffentliche Räume

Neben der Nutzung als Verkehrsraum oder zu Erholungszwecken führen vielfältige weitere Nutzungsansprüche zu Flächenkonkurrenz und einem hohen Erwartungsdruck an die begrenzten öffentlichen Räume. Um ihn zu bewältigen, empfiehlt der Baukulturbericht anstelle geteilter Verantwortlichkeiten und sektoraler Lösungen eine ganzheitlich agierende Organisations-, Planungs- und Trägerstruktur unter Einbindung der Bürger.

Der Baukulturbericht 2020/21 steht als PDF unter www.bundesstiftung-baukultur.de zum Download zur Verfügung und kann dort auch als gedrucktes Exemplar bestellt werden.

Text: Sabrina Ginter, Bundesstiftung Baukultur

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